Wenn Puten zum ersten Mal den Himmel sehen

Elisabeth: 16. Juli 2026

Wie unsere Stammleser schon bemerkt haben, gehören Puten zu den Tieren, die uns sehr faszinieren und auch nach vielen Jahren des Zusammenlebens immer wieder überraschen. An den Patenschaftstagen sind es jene Tiere, bei denen die meisten unserer Besucher:innen nicht vorbeikommen, ohne sie fasziniert zu beobachten oder – wenn die Damen in Stimmung sind – sogar mit ihnen zu kuscheln. Kaum jemand hat eine Pute schon außerhalb des Supermarkts gesehen, kaum jemand weiß, wie zugänglich sie sind und wie sehr sie die Nähe von Menschen suchen, um sich berühren und streicheln zu lassen.

 

Die letzten vier Puten haben wir im September 2025 im Alter von etwa sieben Wochen aus einem konventionellen Mastbetrieb zu uns auf den Hof geholt. Jetzt sind ein Hahn und eine Henne aus einem kleinen Betrieb in Niederösterreich bei uns eingezogen. Seit Langem haben wir es wieder gewagt, einen Hahn aufzunehmen. Ehemalige Mastputen sind nämlich auch außerhalb des Maststalls nicht für ein langes Leben geschaffen. Sie sind auf schnelles Wachstum gezüchtet und erreichen bereits nach drei bis fünf Monaten ihr Schlachtgewicht von rund 12 bis 14 kg. Wenn sie zu uns auf den Hof kommen und sich den ganzen Tag frei bewegen können, ohne Mastfutter zu bekommen, haben die weiblichen Tiere eine Lebenserwartung von etwa vier bis fünf Jahren. Die Hähne wachsen noch schneller und wurden bei uns am Hof selten älter als zwei Jahre.

 

Bruno und Tilda sind Anfang Juni eingezogen. Sie sind etwa drei Monate alt und verbrachten die erste Woche in unserem großen Stall, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Es dauerte nur etwa einen Tag, dann legten sie ihre Schüchternheit ab und begannen sich ihren neuen Stall genau anzusehen.  Auch die Zusammenführung mit den anderen Puten verlief reibungslos und ohne Konflikte. Nach einer Woche Prägezeit im Stall durften sie dann gemeinsam mit der ganzen Putenherde den Stall am Morgen verlassen. Es ist immer ein wunderschöner und berührender Augenblick, wenn Puten zum ersten Mal in ihrem Leben den Himmel sehen. Sie legen den Kopf schief und lauschen in die Weite.  Am ersten Tag blieben sie noch in der näheren Umgebung des Stalls, lernten die Schweine kennen und erkundeten den äußerst interessanten Misthaufen. Aber schon am zweiten Tag erweiterten sie ihren Radius. Sie spazierten über die Wiese, zupften und rupften am Gras und kühlten ihre Füße in der Schweinesuhle. Zwischendurch wanderten ihre Blicke immer wieder nach oben, begleitet von einem aufmerksamen Lauschen in den Himmel.

 

Wir freuen uns sehr über die neuen Mitbewohner und wünschen uns jetzt noch viele Pat:innen für Bruno und Tilda, die uns dabei unterstützen, die Botschaft zu verbreiten, dass Puten viel mehr sind als Nutztiere.

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