Elisabeth: 15. Juli 2026
Vor zwei Wochen bekamen wir wieder einmal eine Anfrage, ob wir einen Hahn übernehmen könnten. Das kommt mindestens 2–4 Mal im Monat vor und in den meisten Fällen müssen wir ablehnen. Wir haben schon rund 10 Hähne am Lebenshof. Das Zusammenleben funktioniert ausgezeichnet, Voraussetzung ist, dass die Hähne genügend Platz haben, um sich auszuweichen und genügend Hennen, um ihre Bedürfnisse auszuleben. Deshalb ist auch unsere Kapazität für neue Hähne limitiert.
Diesmal war die Anfrage offenbar von einem Kind per Mail an mich gerichtet. Sie habe den Hahn selbst aufgezogen, aber er greife ihre Eltern manchmal an, weshalb sie ihn nicht mehr behalten könne. Sie fragte auch, was sie dafür bezahlen müsse, weil sie ihr Taschengeld für die weitere Versorgung des Hahnes verwenden würde. Ich denke, der Punkt war es, der mich dazu bewog, ihr eine positive Zusage zu machen.
Die Mutter brachte den Hahn namens Oreo zu uns und so erfuhren wir dann auch die ganze Geschichte. Ihre Tochter hat zwei befruchtete Hühnereier einer Ente, die brüten wollte, untergeschoben, ohne Wissen der Eltern. Nur ein Küken schlüpfte, das war der Hahn. Er wurde von dem Kind versorgt, wuchs ohne andere Hühner auf und war dadurch fehlgeprägt. Kinder lässt er angeblich in Ruhe, die meisten Erwachsenen greift er an. Nun muss man dazu sagen, dass der Hahn recht groß und kohlrabenschwarz ist. Na ja, dachten wir, das schaffen wir schon. Meist ist es so, dass aggressive Hähne, wenn sie erst mit unseren anderen Hähnen und den vielen Hühnern in Kontakt kommen, schnell zu einem normalen Verhalten finden.
Nach einer Woche Prägezeit im Stall war es dann so weit, der Hahn kam zum ersten Mal nach draußen. Es ist normal, dass die anderen Hähne den Neuling erst einmal testen und ihn angreifen. Das gehört dazu, da muss ein jeder mal durch. Oreo zeigte sich demütig und räumte den Platz, ohne sich auf die Konfrontation einzulassen. Wir atmeten vorsichtig auf, alles schien gut zu verlaufen. Aber dann ging ich absichtslos an ihm vorbei und wurde attackiert. Auch Andi und Emelie mussten auf der Hut sein. Jetzt war guter Rat teuer. Was sollen wir mit ihm machen?
Wir haben schon einmal 2 unserer Enten wegen aggressiven Verhaltens gegenüber den alten Gänsen chemisch kastrieren lassen. Das hat bei einem Enterich gut funktioniert, beim anderen ebenfalls, aber nur für 2 Wochen. Die Kastration erfolgt mit einem Hormonchip, einem kleinen Implantat, das man unter die Haut injiziert, um die Produktion von Sexualhormonen temporär zu hemmen. Es ist übrigens das gleiche Präparat, das man auch bei Hunden anwendet. Es kostet € 80 und wirkt max. 6 Monate, unserer Erfahrung nach kürzer. Aber einen Versuch ist es wert. Unsere Tierärztin hat den Chip vor 3 Tagen implantiert, jetzt müssen wir erst mal abwarten. Das Präparat wirkt nicht sofort es wird ein paar Tage dauern bis wir wissen ob es funktioniert.
Der Hahn darf natürlich trotzdem seiner Aversion gegen Menschen schon den Hof erkunden. Da er sich von den anderen Hähnen und Hühner fernhält sucht er sich bis dato einen Platz wo er seine Ruhe hat. Derzeit ist das beim Biotop und das ist auch für uns angenehm weil wir dort nicht dauernd vorbeigehen und aufpassen müssen das er aus dem Hinterhalt kommt. Ich habe mir bereits einige grobe Kratzer von den Sporen eingefangen.
Weil der Name Oreo nicht so recht zu dem Hahn passen will, haben wir ihn in Luzifer umbenannt. Mit seinem prächtigen roten Kamm und dem schwarzen Gefieder und der speziellen Art passt der Name ausgezeichnet, wie wir finden.
Drückt uns die Daumen, dass es mit dem Chip klappt und Luzifer sich gut in die Hof-Sonnenweide Gemeinschaft integriert.


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