Elisabeth: 10. Juni 2026
Im Juni sind Vanessa, eine ehemalige Milchziege, und ihre Drillinge zu uns auf den Hof gekommen. Die drei Kleinen wurden im April geboren und es war klar: Bald würden sie kastriert werden müssen. Ziegenbuben können mitunter sehr früh geschlechtsreif werden – und da bei uns viele Ziegenmädchen leben, wäre Nachwuchs ganz und gar nicht im Sinne eines Lebenshofes. Nach ausführlicher Beratung mit unserer Tierärztin entschieden wir uns deshalb für eine möglichst frühe Kastration.
Damit die drei die bestmögliche medizinische Versorgung bekommen, brachten wir Tom, Finn und Olaf zu Christine in die Klinik. Ganz brav ließen sie sich von uns in den Anhänger tragen. Und auch Mama Vanessa blieb erstaunlich ruhig, als wir ihre Babys mitnahmen.
Nach nur 15 Minuten Fahrt wurden wir bereits von Christine und ihrer Assistentin empfangen. Wie besorgte Eltern konnten Andi und ich uns kaum von den Kleinen trennen. Wir fragten, ob wir noch helfen könnten, wollten sie zumindest selbst hineintragen. Christine machte uns freundlich, aber bestimmt klar, dass sie das zu zweit problemlos schaffen würden. Wir sollten ganz beruhigt nach Hause fahren – sie würde anrufen, sobald alle drei wieder aufgewacht seien.
Etwa zwei Stunden später war es dann so weit. Unsere Tierärztin ist eine Meisterin der sanften Narkose. Sie gibt genau so viel, dass die Tiere ruhig schlafen, aber auch möglichst schnell wieder aufwachen. Schon bei unserem großen Schafbock Rudi hatte sie die Dosierung jedes Mal perfekt getroffen. Deshalb waren Tom und Olaf schon wieder putzmunter, als wir ankamen. Nur Finn dämmerte noch ein wenig vor sich hin.
Wieder zu Hause brachten wir die drei in die vorbereitete Box, in der sie bis zur Kontrolluntersuchung rund 48 Stunden bleiben sollten. Die Kleinen wirkten überhaupt nicht beunruhigt. Kaum angekommen, begannen sie schon am Heu zu knabbern – als wäre nichts gewesen.
Als wir am nächsten Morgen unsere Stallrunde begannen, empfing uns allerdings ein klägliches, dreistimmiges Meckern. Draußen im Ziegengehege lief Vanessa unruhig auf und ab. Sie hatte ihre Jungs gehört und suchte sie verzweifelt.
Für uns war sofort klar: Die Familie gehört wieder zusammen. Also führten wir Vanessa zu den Kleinen in die Box. Kaum war sie drinnen, wurde sie von ihren Buben umringt, angestupst und ausgiebig beschnuppert. Im selben Moment kehrte Ruhe ein. Wenn Mama da ist, ist die Welt eben wieder in Ordnung.
Und dann war die Boxenruhe auch schon wieder vorbei. Mit besonders gutem Heu, viel Fürsorge und ganz viel Liebe von uns vergingen die zwei Tage wie im Flug. Auch die Nachuntersuchung verlief völlig problemlos. Finn, Tom und Olaf näherten sich Christine ganz vertrauensvoll und ließen sich ohne Gegenwehr untersuchen. Danach gab es noch die zweite Tetanusimpfung – und schließlich durften die drei wieder hinaus zu ihrer Ziegenherde, wo sie sofort lossprangen, als wären sie nie weg gewesen.







Kommentar schreiben