Blauzungenimpfung

In den letzten Jahren breitet sich die Blauzungenkrankheit in ganz Österreich rasant aus. Es entstehen laufend neue Serotypen, weshalb der Impfschutz regelmäßig erneuert werden muss. Besonders betroffen sind Schafe, aber auch Rinder und Lamas können schwer erkranken. Ziegen zeigen meist kaum Symptome, gelten jedoch als Überträger.

In landwirtschaftlichen Kreisen wird aufgrund der Kosten – rund fünfzig Euro pro Tier – teilweise diskutiert, ob man die Tiere nicht einfach erkranken lässt, nur symptomatisch behandelt und mögliche Todesfälle in Kauf nimmt. Da bei uns jedoch viele ältere und teilweise gesundheitlich geschwächte Tiere leben, möchten wir dieses Risiko nicht eingehen. Die Mortalitätsrate liegt im Schnitt immerhin bei rund 25 %.

Also haben wir vor etwa einem Monat die erste Impfdosis verabreicht. Insgesamt haben wir fünfzig Tiere immunisiert. Bei den Schafen hat das wunderbar funktioniert. Die Rinder waren zwar wenig begeistert, aber wir konnten den Überraschungseffekt für uns nutzen und tatsächlich alle Tiere impfen. Yoki und Fatima haben zwar ein bisserl mit den Hörnern gedroht, am Ende ging aber alles glatt.

Bei den Lamas kam es dann zum ersten Hoppala: Sissy fand die Vorstellung eines Pieks überhaupt nicht lustig und ist gemeinsam mit Andi über die gefüllte Badewanne und anschließend durch den Zaun gesprungen. Leider gibt es von dieser Aktion keine Fotos. Pudelnass, aber weiterhin motiviert, haben wir die Impfaktion trotzdem erfolgreich beendet.

Diese Woche stand nun Teil zwei der Impfung an. Diesmal waren sowohl die Schafe als auch die Lamas ruckizucki erledigt. Lediglich die Rinder waren nach der letzten Blauzungen-Impfaktion und dem Klauenschneiden schon ordentlich angefressen und wollten partout nicht verstehen, warum sie schon wieder in unseren provisorischen Pferch mussten.

Es hat genau dreißig Sekunden gedauert, bis Bonney den Elektro- und Metallzaun Richtung Radweg niedergetrampelt und uns – grinsend – den sprichwörtlichen „Rinderfinger“ gezeigt hat. Yoki beschloss daraufhin ebenfalls zu randalieren und Abdul und Fatima zu attackieren. Elisabeth hat geistesgegenwärtig die Notentriegelung geöffnet und alle Tiere wieder auf die Weide gelassen.

Selbst bei Milch- oder Mastkühen, die enge Haltungsbedingungen gewohnt sind, ist eine medizinische Behandlung oft schon eine Herausforderung. Unsere freiheitsgewohnten Tiere zeigen in solchen Stresssituationen ihre gesamte Kraft und ihr volles Potenzial. Wir sind jedenfalls froh, dass niemand verletzt wurde – und dass fürs Erste alle Projekte dieser Art erledigt sind.

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