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Klauenpflege bei den Hochlandrindern

Mit einiger Sorge habe ich in den letzten Monaten schon beobachte das die Klauen unserer Hochlandrinder, Bonney und Merlin immer länger wurden. Bis zum letzen Sommer haben sich die Klauen der beiden von selbst abgelaufen. Bonney und Merlin steht eine große Wiese zur Verfügung, sie bewegten sich viel, spielten miteinander wie junge Tiere das gerne tun und damit war kürzten sich die Klauen wieder von selbst auf ein gesundes Maß.

 

Leider war es diesmal anders. Bonney und Merlin werden erwachsener, bewegen sich nicht mehr so viel und der milde Winter mit dem daraus resultierenden weichen Boden trugen dazu bei das die Klauen ungehindert weiter wuchsen. Wir ließen einen Teil des Bodens im Gehege mit Kräder befestigen, in der Hoffnung das sich die Klauen an den Steinen abschleifen würden, was aber nicht der Fall war. So war es nun wirklich Zeit um zu handeln. Nach einem Anruf beim Tierarzt war ich zunächst etwas ratlos. Er sagte zwar zu die Rinder zu betäuben, die eigentliche Arbeit, also das Klauen schneiden könne er aber nicht machen. Dazu brauche es einen Profi. 

 

Eine Sedierung durch den Tierarzt kam für uns aber aus mehreren Gründen nicht in Frage. Das Hochlandrinder zu den Wildtieren zählen ist die perfekte Dosierung sehr schwierig. Sie stoßen unter Stress sehr schnell Adrenalin aus was die Betäubung schwächer macht und oft muss nachgespritzt werden. Beim letzten Mal als es wegen einer Blutabnahme notwendig war sie zu sedieren lagen sie danach den ganzen Tag auf der Weide und brauchten sehr lange bis sie wieder vollständig wach waren.  Bei dieser momentanen Hitze wäre das nicht zu verantworten gewesen. Außerdem können sie sich während der Sedierung immer noch bewegen und halten nicht vollkommen ruhig. Das ist aber Voraussetzung wenn der Klauenpfleger mit der Flex an ihnen arbeitet. 

 

Und so kam ich auf den Maschinenring Hartinger, von dem ich hörte das es dort einen Klauenpfleger mit mobilen Stand gäbe. Das ist ein Gerät in das die Tiere hineingetrieben und fixiert werden. Dann dreht man sie um sodass sie auf der Seite liegen und der Klauenpfleger die Beine ohne Gefahr bearbeiten kann. Klingt brutal, sieht auch so aus aber es gibt keine Alternativen. Nach einem ersten Anruf kamen wir auf die Warteliste da der Klauenpfleger sich eine Tour zusammenstellt um gleich mehrere Ställe auf einmal abzuarbeiten. Normalerweise sind das gleich viele Tiere und nicht nur zwei, wie bei uns. Und so hörte ich einmal einige Wochen nichts mehr vom Maschinenring. Als Bonney sich dann ein Stück von der Klaue abbrach und humpelte rief ich nochmals an und verlegte mich aufs betteln indem ich die Dringlichkeit der Lage schilderte. Und es funktionierte. Prompt kam der Anruf, dass am nächsten Tag jemand kommen würde. Das Andi an diesem Tag in München sein würde war mir egal. Ich war froh einen Termin zu haben und alles andere war unwichtig.

 

Jetzt ging ich mal daran Bonney und Merlin in ihrem Unterstand einzusperren weil es von dort aus leichter sein würde sie in den Zwangsstand zu bringen. So schaffte ich alles herbei was ich so fand. Unseren Anhänger, zwei Scheibtruhen, eine alte Badewanne und baute eine Barrikade als sie gerade drinnen standen um zu fressen. Die beiden Tiere schauten mir dabei vollkommen ruhig und gelassen zu. Ein gutes Zeichen dachte ich mir. 

 

Dann kam der Mann mit dem schweren Gerät angefahren. Als er vor dem Stall stand fragte er wo der Starkstrom wäre. Mir fiel die Kinnlade herunter. Wir hatten keinen Strom auf der Kuhweide und schon gar keinen Starkstrom. Verzweifelt rief ich Andi an der mir bestätigte das unser Starkstromanschluss im Haus wäre und wir kein Kabel hätten das lang genug wäre um auf die Weide zu reichen. Nach einigem Nachdenken kamen wir auf die Feuerwehr, die so ein Starkstromaggregat haben müsste. Und so organisierte Andi von München aus, wo er eigentlich in einem Seminar sitzen sollte, ein Aggregat der FFW Wepperdorf. In der Zwischenzeit wartete ich mit dem Klauenpfleger bei den Rindern der schon etwas nervös wurde weil nach uns noch weiter Kunden auf ihn warteten. Für ihn wären es auch die ersten Hochlandrinder, erzählte er mir und äußerte außedem noch seine Sorge, ob sie mit den langen Hörnern überhaupt in den Stand hineinpassen würden. Mir wurde immer mulmiger,  welche Herausforderungen könnten denn noch kommen, dachte ich bei mir.   Nach einer gefühlten Ewigkeit, die in Wirklichkeit nur 30 Minuten dauerte,  kamen dann zwei Männer von der Feuerwehr mit dem Aggregat. Jetzt ging es noch darum Bonney und Merlin einzeln in den Stand zu bringen. Wenn sich so 600 kg Muskelberge bewegen oder sich weigern zu bewegen ist das schon recht beeindruckend. Zum Glück blieben die beiden Männer der FFW bei uns und halfen mit die beiden Tiere zu überzeugen in den Stand zu gehen. Was sie schließlich auch taten. Juhuuuu!!

 

Erst mal im Stand fixiert dauerte die eigentliche Arbeit des Klauenpflegers ca. 10 Minuten pro Tier. Sehr glücklich sind sie während dieser Prozedur nicht aber es musste einfach sein.

 

Nachdem alles vorbei war lies ich Bonney und Merlin etwas Zeit um sich von dem Schock zu erholen. Dann ging ich mit ein paar Äpfel zu ihnen. Sie nahmen sie ganz normal aus meiner Hand, schienen kein bisschen böse und das beste war das Bonney nicht mehr humpelte. Es hatte sich ausgezahlt. Ich war unglaublich erleichtert das trotz der vielen Hürden unsere Tiere nun wieder gesunde Klauen haben und gut gehen können.

 

Nächstes Jahr wieder, aber da haben wir dann ja schon Erfahrung und können vieles im Vorfeld organisieren wie zum Beispiel Starkstrom auf der Weide. 

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