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Neue Nachbarn: Biber

Das Revier unserer Hochlandrinder, Bonney und Merlin grenzt an den Stoober Bach und ist durch einen Zaun und eine Böschung von diesem getrennt. Schon im Herbst ist uns aufgefallen das sich am Bach offenbar ein Biber oder eine Biberfamilie angesiedelt hat und vor einigen Wochen konnten wir zwei große Dämme bewundern. Einer ist vom Radweg aus für Spaziergänger sichtbar, der andere liegt hinter dem Unterstand unserer beiden Highlander. Außerdem sind die Biberrutschen an der Böschung zu sehen über die die Tiere schnell ins Wasser rutschen können. Bei einem Bibergewicht von 25 – 35 kg hinterlässt das eine ordentliche Rinne. 

 

Als Andi heute früh zu Bonney und Merlin ging um sie zu füttern lag ein ganze Baum auf ihrer Weide. Als er diesen zusammen mit Bonney unserer neugierigen Kuh untersuchte sah er auch bald die Ursache. Eindeutig sind Biberspuren zu erkennen. Von unseren Kanutouren in der Stopfenreuther Au kennen wir solche Nagespuren und es ist irgendwie schon sehr faszinierend nun zu wissen dass wir nun zumindest einen Biber in unserer unmittelbaren Nachbarschaft haben.

 

Ich habe mich nun aus gegebenen Anlass über diese Tiere ein bisschen schlauer gemacht als ich es vorher war, und mir ein paar Dokumentationen angesehen und nachgelesen. 

 

Biber sind im Wasser wesentlich geschickter und schneller unterwegs als am Land. Aus diesem Grund liegt der Eingang zu ihren Höhlen, den sogenannten Biberburgen, unter Wasser. Wenn das Gewässer nun einen schwankenden Wasserspiegel hat und der Höhleneingang droht über die Wasseroberfläche zu kommen, wird ein Damm gebaut um den Wasserspiegel zu erhöhen und der Eingang bleibt unterhalb der Oberfläche. In Gewässern mit einer konstanten Wassertiefe von 60 – 80 cm werden keine Dämme sondern Höhlen gebaut deren Eingang ebenfalls unter der Wasseroberfläche liegt. Es gibt mehrere Wohnhöhlen die durch Tunnel miteinander verbunden sind, und da sich der Biber ungern an der Oberfläche bewegt gräbt er auch unterirdische Gänge um an sein Futter zu gelangen.

 

Die Biberburg dient auch als Vorratslager. Biber halten keinen Winterschlaf, bleiben aber einen Großteil der Zeit in ihrer Wohnhöhle und kommen nur zum Fressen nach draußen. Sie sind reine Pflanzenfresser, futtern Gras, Rinde, Äste, Zweige und Knospen und können sogar Holz verdauen. Besonders gerne haben sie auch Äpfel, was ein weiterer Grund sein könnte warum sie sich bei uns im Bach so wohl fühlen. Im Herbst werden nämlich zahlreiche Äpfel teils absichtlich teils unabsichtlich im Bach entsorgt und schwimmen mit der Strömung mit. So ein Biberdamm eignet sich also sicher auch gut um die vorbeischwimmenden Früchte aufzuhalten. Für die Zeit in der es weniger zu fressen gibt, also für den Winter, werden kleine Äste und Zweige unter Wasser gehortet und in den Damm gesteckt um sie frisch zu halten.

 

In einer Biberburg leben die Elterntiere, die ein Leben lang zusammenbleiben und die Jungtiere der letzten beiden Jahre. Meist werden zwei bis drei Jungtiere geboren und wenn sich im Frühling die nächste Generation ankündigt, verlassen die ältesten die Burg und suchen sich ein neues Revier. 

 

Vor ca. 100 Jahren war der Biber in Europa fast ausgerottet. Grund für die Jagd war das Bibergeil, ein Sekret mit dem der Biber sein Revier markiert, sein Fett und andere Körperteile denen Heilkräfte zugesprochen wurden, außerdem sein dichtes Fell das sich gut verkaufen ließ und sein Fleisch das als Fastenspeise galt.

 

Heute ist der Biber streng geschützt und weder seine Dämme dürfen ohne Genehmigung entfernt werden noch das Tier gefangen, verletzt oder getötet werden. Bringen würde dies ohnehin nichts, denn der Damm ist innerhalb einer Nacht wieder aufgebaut, meist stärker als zuvor weil der Biber meint schlecht gearbeitet zu haben, und durch Tötung frei gewordene Reviere werden schnell von jungen Bibern nachbesetzt. 

 

Die Rückkehr der Biber hat viele positive Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Wo sich Biber ansiedeln folgen viele andere Tiere wie Fische, Vögel wie der Graureiher und zahlreiche andere Arten. Biberteiche siedeln Nährstoffe an und halten Sedimente zurück, die das Wasser reinigen. Derzeit laufen auch zahlreiche Forschungen die sich damit beschäftigen ob Biberbauten sich positiv auf den Hochwasserschutz auswirken. Negative Auswirkungen auf den Hochwasserschutz haben sie jedoch auf keinen Fall.

 

Da in Österreich alles Land im Besitz von Menschen ist, die Biber sich aber nicht an menschliche Grenzen halten kommt es zu Konflikten. Dafür gibt es in jedem Bundesland einen Biberbeautragten an den man sich wenden kann.

 

Bibermanagement Burgenland 

Clemens Trixner, MSc. 

E-Mail: clemens.trixner@aon.at

Mobil: 0677 62 707 409

 

 

Quellen:

https://www.wwf.at/de/biber-fragen-und-antworten/

Bayrischer Rundfunk: Der Biber nervig oder nützlich Sendung 9.5.17 (youtube)

Steckbrief Natur: Biber (youtube)

https://www.burgenland.at/themen/natur/naturschutz/bibermanagement/

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